29.07.2013: Ein Verband schreibt europäische Branchengeschichte – 50 Jahre Fedas

Jahresbericht 2012/13 von Fedas-Präsident Werner Haizmann bei der Generalversammlung vom 10.-12 Juni 2013 in Bern

Bern – „Die Fedas ist seit 50 Jahren der Interessenverband des europäischen Sportfachhandels. Der Verbandsname ist dabei zu einem eigenen Markenzeichen in der internationalen Sportartikelbranche geworden. Deshalb trägt der europäische Warengruppenschlüssel für die Sportbranche auch werbewirksam diesen Namen.“ So erinnerte Fedas-Präsident Werner Haizmann in der Generalversammlung des europäischen Spitzenverbands, die vom 10. bis 12. Juni in der Schweizer Bundeshauptstadt Bern stattgefunden hat, an den 50. Geburtstag der Organisation, die im Lauf ihrer Geschichte maßgeblich am Zustandekommen und am Erfolg der großen Verbundorganisationen wie Intersport International oder Sport 2000 International mit beteiligt war. Im Beisein von Generalsekretär Claude Benoit und Ehrenpräsident Adriano Testa erinnerte Werner Haizmann seine Kollegen an das Jubiläum des Verbands und an die Bedeutung der Fedas von Beginn bis heute als Partner der europäischen Sportartikelindustrie und als Partner der Weltmesse der Sports der ispo in München.

Werner Haizmann gab dazu in seinem Bericht zum 50-Jahre-Jubiläum auch einen kleinen geschichtlichen Rückblick auf die Arbeit der Fedas:

Beginn geschichtlicher Rückblick
„Im Juni vor 50 Jahren haben wir unseren Verband in Wiesbaden aus der Taufe gehoben. Zuvor war er während der Internationalen Sportartikelmesse 1963 in Wiesbaden gegründet worden. In einer ersten Delegiertenversammlung am 29. Oktober 1963 in Paris wurde dann offiziell eine Periode beendet, die 1957 mit der Gründung einer losen europäischen Arbeitsgemeinschaft der Sporthändlerverbände aus Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Schweden und der Schweiz begonnen hatte.

Interessant dabei für den weiteren Verlauf der Fedas und Branchengeschichte: Am 14. Oktober 1963 beschloss die Generalversammlung der Einkaufsgenossenschaft Sport eGmbH Egespo in Heilbronn, sich mit sofortiger Wirkung folgendermaßen umzubenennen: Deutsche Intersport eGmbh – Einkaufsgenossenschaft Sport (Egespo) mit der Hausanschrift Heilbronn Gymnasiumsstrasse 74. Gleichzeitig feierte unser VDS-Mitglied Hans Münzinger in seinem Geschäft im Münchner Rathaus das 50-jährige Bestehen seines Hauses. Bei Sport Entress in Stuttgart präsentierte Seniorchef Walter Thomä zusammen mit seinen Kindern Lore und Kurt sein neues und sehr modernes sechs Stockwerke hohes Geschäft in der Königstrasse.

In der Fedas, die ihren Verbandssitz in Genf in der Schweiz hatte, waren 1963 6000 Sportfachgeschäfte aus zehn Ländern zusammengeschlossen. Sie waren entschlossen ‚ihre gemeinsamen Interessen im integrierten europäischen Wirtschaftsraum noch besser als bisher zu vertreten‘. In das vierköpfige Präsidium berief man die Vorsitzenden der Verbände der Schweiz, Deutschlands, Frankreichs und der Niederlande. Zum Präsidenten gewählt wurde der Vorsitzende des Schweizer Verbandes Asmas, Raymond Och aus Zürich, und zum ersten Generalsekretär der Fedas der Genfer Jurist und Syndikusanwalt Walter Lanz. Vizepräsident war Hans Schaefer aus Wiesbaden vom VDS in Deutschland, und Vorstandsmitglieder waren Louis Noirtin, Frankreich, und Joos Kroskinski aus den Niederlanden.

In der Generalversammlung am 29. Oktober 1963 in Paris erörterte man laut Protokoll ‚einige Probleme von allgemeiner Tragweite innerhalb der Branche, darunter im besonderen die für das Weiterbestehen eines gesunden Sportartikelhandels erforderlichen Maßnahmen. Auch wurde die bereits vorgängig angestrebte(und inzwischen erfolgte) Fühlungsnahme mit der Vereinigung der europäischen Sportartikelindustrie einstimmig begrüßt‘.

In einer Pressemeldung hieß es damals ‚Es darf bereits heute verraten werden, dass sich die Delegationen der Fabrikanten und der Händlerschaft am 4. November in Köln getroffen haben. Die überaus positiv verlaufene Sitzung sowie die Tatsache, dass von beiden Seiten der Wunsch nach regelmäßigen gemeinsamen Sitzungen ausgesprochen wurde, können wohl als wichtige Zeichen einer erfreulichen Zusammenarbeit auf europäischer Ebene im Geiste gegenseitigen Verständnisses gedeutet werden‘.

Im Protokoll der November-Sitzung heißt es dazu: ‚Am 4. November um 15 Uhr begrüßten sich in einem Sitzungszimmer der Kölner Messe die Delegierten von je fünf Industrie- und Händlerverbänden Europas. Darunter befanden sich Dr. Albrecht Strohmeyer und Raymond Och als die amtierenden Präsidenten der Europäischen Vereinigungen der Hersteller- und Händlerorganisationen. Zweieinhalb Stunden wurden über folgende Tagesordnung beraten: Koordinierung der Daten der europäischen Fachmessen der Branche; Lieferung von Markenartikeln an Discounthäuser, Versandhäuser und Cash- und Carry-Unternehmen; Lieferung von Markenartikeln an Sportclubs, Werkhandel, Gesellschaften und öffentliche Verwaltungen; an Außenseiter, welche die vorgeschriebenen Preise unterbieten; Unterschiedliche Handelsspannen für die gleichen Markenartikel, je nach den Ländern.

Zu allen vier Punkten, die für jeden Branchenangehörigen wichtig sind, wurden bereits Beschlüsse gefasst, die nicht nur eine gesunde Basis für eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit darstellen, sondern auch geeignet sind, die behandelten Probleme, die in allen europäischen Ländern auftauchen, zufriedenstellend zu klären. Erfreulich war auch die feststellbare Einmütigkeit in den verschiedenen Fragen.

Die Versammlung hat ferner die Notwendigkeit derartiger direkter Fühlungsnahmen zwischen den beiden europäischen Vereinigungen anerkannt und einstimmig die Einführung von solchen periodischen Zusammenkünften beschlossen. Sie sollen grundsätzlich zweimal im Jahr gelegentlich zweier großer europäischer Fachmessen stattfinden. Die nächste Sitzung ist im April 1964 anlässlich der Wiesbadener Sportartikelmesse, wenn möglich am Abend des ersten Messetages vorgesehen‘.

In einer weiteren Meldung zum Thema Zusammenarbeit Fedas-FESI heißt es unter anderem: ‚Die beiden französischen Vertreter im europäischen Verband der Sportartikelindustrie begrüßen zwar eine derartige Zusammenarbeit mit den Sportartikelhändlern grundsätzlich, meinen jedoch, dass eine Zusammenarbeit zunächst auf nationaler Ebene verstärkt werden soll.‘

Im gleichen Jahr der Fedas-Gründung schreibt der deutsche Verband VDS an den österreichischen Kollegenverband VSSÖ, der damals der Fedas noch nicht angehört, unter dem Datum vom 3. September 1963: ‚Wir möchten Ihnen heute von Vorgängen aus dem Grenzgebiet Deutschland-Österreich Kenntnis geben, die sich auf das Rabattwesen in diesen Gegenden beziehen. Von verschiedenen Mitgliedsfirmen aus Regensburg, Passau und Nürnberg sind uns Beschwerden zugegangen, dass seitens des österreichischen Fachhandels in den Grenzgebieten Lockangebote (20 Prozent Rabatt) unterbreitet werden, mit der Absicht, deutsche Wintersportler über die Grenze zum Kauf zu animieren. Seitens der deutschen Sportfachgeschäfte in diesen Gebieten ist man dazu übergegangen, ebenfalls mit gleicher Methode in den österreichischen Grenzgebieten zu werben, und wir sind der Ansicht, dass durch diesen ruinösen Preiswettkampf beiden Seiten ein schlechter Dienst erwiesen wird; denn letzten Endes zehren derartige Preiswettkämpfe die Gewinnspannen auf und gefährden unter Umständen sogar die Existenz. Wir möchten sie daher heute bitten, ihre Mitgliedsfirmen vom Handel, inklusive Großhandel, entsprechend zu unterrichten und aufzufordern, derartige Praktiken zu unterlassen, das Gleiche werden wir unseren Mitgliedern empfehlen.‘

Nach der Gründung der Fedas im Jahr 1963 formulierte Walter Lanz den ersten Neujahrsgruß für 1964 so:

‚Den Herstellern, Grossisten und Einzelhändlern von Sport- und Campingartikeln in Europa, sowie deren Landesverbänden, entbietet die Europäische Vereinigung der Sporthändlerverbände ihre aufrichtigen Wünsche für ein gutes und erfolgreiches neues Jahr, gekennzeichnet durch gegenseitige Annäherung und vertrauensvolles Mitwirken am gemeinsamen Ziel: der weiteren Erstarkung unserer schönen und ausbaufähigen Branche.‘

1964 beschäftigte sich im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Fedas und FESI auch der Syndikus des BSI, Dr. Otto Prasse, mit gemeinsam interessierenden Fragen. Unter anderem mit Folgendem: Die Kultusministerien der Länder sollten und müssten sich wesentlich intensiver dafür einsetzen, dass die Jugend in- und außerhalb der Schulen häufiger die Möglichkeit erhält, sich sportlich zu betätigen; dies auch deshalb, um bei der Musterung zur Bundeswehr einen besser durchtrainierten Eindruck zu machen. Es ist doch ein Ding der Unmöglichkeit, dass ein großer Prozentsatz der jugendlichen Musterungspflichtigen wegen mangelnder sportlicher Betätigung im Entwicklungsalter als bedingt, minder- oder untauglich registriert werden muss. Deshalb sollte diese Frage vom Bundesverband der Sportartikelindustrie zusammen mit den Sportverbänden sofort aufgegriffen und bei den Länderministerien und dem Bundesinnenministerium beziehungsweise Gesundheitsministerium vorgetragen werden. Diese Anregung kam aus dem Kreis unserer Mitglieder und beinhaltete darüber hinaus den Vorschlag, dass sich nicht nur die Jugend, sondern auch die älteren Jahrgänge der Bevölkerung sportlich betätigen sollten. Dadurch würde auch ein Anreiz zum vermehrten Gebrauch von Sportgeräten gegeben sein.

Dazu beschreibt Prasse aus der Sicht der Industrie die Wettbewerbslage in Deutschland und auch in Europa als ‚erbarmungslos‘. Allerdings setze dabei die Industrie ihren Höhenflug fort, weil der Fachhandel der Sportbranche sein Sortiment in den vergangenen Jahren verbreitert habe und auch mehr Textilartikel aufgenommen hat.

Und er fügt an, was er beim gemeinsamen Meeting von Fedas und FESI so vorgetragen hat: ‚Alle Maßnahmen der deutschen Wirtschaftspolitik müssen darauf ausgerichtet bleiben, die Exportfähigkeit zu erhalten und weiter auszubauen. Das darf jedoch nicht bedeuten, dass wir mehr exportieren als wir im Inland schaffen können, weil sonst der Geldbeutel der deutschen Bevölkerung zu groß und die zum Verkauf stehende Produktion zu gering sein kann, so dass die inflationären Diskussionen neue Nahrung erhalten. Andererseits muss es die Aufgabe der von Geldwertverschlechterung bedrohten Länder bleiben, ihrerseits für stabile Währungsverhältnisse zu sorgen, da andernfalls das ganze System der internationalen Konvertibilität erschüttert werden könnte.‘

Zu der europäischen Zusammenarbeit fügt Prasse an: ‚Derartige Delegiertentreffen auf höchster Ebene sind sowohl für jeden Sitzungsteilnehmer als auch für die von ihm vertretenen Organisationen ein Gewinn; denn das Hervorstechendste bei diesen übrigens immer recht gut besuchten gemeinsamen Aussprachen ist der Wille, international und natürlich auch national zwischen Sportartikelindustrie und Sportartikelhandel eine Brücke zu schlagen, um das Geschäftsleben noch flüssiger und intensiver zu gestalten. Als ein wesentlicher Punkt der letzten gemeinsamen Besprechungen stand die Frage der Zahlungs- und Lieferungsbedingungen auf der Tagesordnung. Ferner wurde die Entwicklung der Handelsspannen in den einzelnen Ländern beleuchtet. Dies sind Probleme, die uns alle im Rahmen der beiden europäischen Zusammenschlüsse von Industrie und Handel brennend interessieren und deren Lösung wir nicht nur erörtern, sondern zu erreichen versuchen sollten. Zumindest sollte eine Angleich versucht werden. Dabei ist man sich auf beiden Seiten völlig darüber im Klaren, dass derartige Dinge nicht von heute auf morgen auf einen vernünftigen Nenner gebraucht werden können. Es sollte aber auch nicht so langsam wie in den meisten EWG-Kommissionen zugehen.‘

Walter Lanz berichtet im Dezember 1964 als Fedas-Generalsekretär unter der Überschrift ‚Handel und Industrie auf Europabasis Hand in Hand‘ über die dritte gemeinsame Sitzung zwischen Fedas und FESI in Köln. Er merkt unter anderem an: ‚Auf dem Gebiet der Sortimentsbeschränkung konnten frühere Missverständnisse behoben werden. Man gelangte gemeinsam zur Auffassung, dass eine Normalisierung der Typen von Sportgeräten und anderen Artikeln auf gewissen Gebieten zwar erwünscht sei, jedoch nicht immer zwangsläufig zur Verminderung der Anzahl von Modellen führen müsse. Andererseits schaden zu viele, rasch nacheinander auf den Markt geworfene Modelle des gleichen Fabrikanten dem Einzelhandel und auch dem Hersteller, besonders wenn nicht die Machart, die Qualität und Dienstleistung, sondern nur die äußerliche Aufmachung verändert wird. Desgleichen wurde anerkannt, dass dem Fachhandel trotz Normung und Verminderung der Modellanzahl besondere Modelle vorbehalten werden müssten.

Eine engere Zusammenarbeit zwischen Handel und Industrie wurde grundsätzlich ins Auge gefasst; jede Vereinigung wird an der nächsten gemeinsamen Tagung praktische Anregungen über Gebiete einer zukünftigen Normalisierung vorbringen. Übrigens stellt die FESI bereits praktische Vorarbeiten auf dem Gebiet des Eishockey-Outfits in Aussicht.

Bei dem wichtigsten und heikelsten Thema, nämlich der Lieferung von Markenartikeln an Preisschleuderer, trat wiederum eine große Übereinstimmung zu Tage. Die Fabrikantenverbände hatten schon vorher den Standpunkt des Einzelhandels geteilt, nämlich dass solche Lieferungen nicht nur dem Einzelhandel, sondern auch den regulären Fabrikanten schaden. In Ermangelung jeglicher Befehlsgewalt bei der Industrie steht jedoch bei solchen Lieferungen dem europäischen Einzelhandel nur das Mittel einer weitgehenden objektiven Information zur Verfügung. Die europäische Fabrikantenvereinigung stellt deshalb dem Einzelhandel diesen Informationsweg an alle Mitgliedsverbände frei; dabei möchten beide Parteien natürlich vorher positive Lösungen mit den jeweils in Frage kommenden Lieferanten herbeiführen.

Des weiteren soll gemäß einem Antrag des Einzelhandels in Fabrikantenkreisen geklärt werden, on die an den Fachhandel einerseits, an Rabatt gewährende Großverteiler andererseits zu lieferenden Markenartikel nicht in verschiedenartiger Aufmachung, mit anderer Bezeichnung, ausgeführt werden könnten.

Auf jeden Fall wird ein von der FESI und der Fedas gemeinsam abgefasstes Rundschreiben sämtliche Lieferanten- und Handelsverbände über die im gegenseitigen Einvernehmen festgelegten Ziele und Mittel aufklären.

Die auf Grund einer im letzten Jahr von der Fedas durchgeführten Umfrage zutage gebrachte Tatsache, dass auf dieselben Markenartikel je nach dem Land äußerst unterschiedliche Handelsspannen bestehen, veranlasste die Händlervereinigung zu einer neuen Umfrage, über den Anteil der allgemeinen Unkosten an der Handelsspanne, deren Ergebnisse anlässlich der nächsten gemeinsamen Tagung vorgelegt werden soll. Seitens der FESI wurde bereits der Grundsatz bekräftigt, dass zu unterschiedliche Handelsspannen nicht nur dem Handel, sondern auch der Industrie eine gewissen Gefahr bereiten könnten.“
Ende geschichtlicher Rückblick

Wie viele Probleme haben wir in 50 Jahren gemeinsam gelöst?

Nach diesem Einblick in die ersten beiden Gründungsjahre der Fedas beschäftigte sich Präsident Werner Haizmann in seinem Jahresbericht in Bern mit den aktuellen Fragen, die die Fedas heute beschäftigen. Dabei bedankte er sich für die großartige Arbeit seiner Schweizer Kollegen und bei Generalsekretär Claude Benoit, der in den letzten Jahrzehnten zum europäischen Gesicht und zum Chefdiplomaten des europäischen Sportfachhandels geworden ist.

Werner Haizmann: „Aus der Vergangenheit zurück in die Gegenwart – Wie viele Branchenprobleme haben wir in 50 Jahren gemeinsam gelöst? Oder sind viele immer noch vorhanden? Gemeinsame Gespräche mit der Industrie auf Augenhöhe bestimmten die Gründerjahre und den gemeinsamen Aufbau der großen Verbundgruppen in unserer Branche wie der Intersport und Sport 2000. Sind sie jetzt weniger wichtig oder gänzlich überflüssig oder müssen neue interaktive Gesprächsformen gefunden werden?

Mit meinem Blick auf die Entstehung unseres europäischen Händlerverbandes und auf das damals vorhandene Branchenumfeld und die mit Beginn der europäischen Zusammenarbeit verabredete Arbeitsgemeinschaft zwischen Handel und Industrie sage ich in meinem Jahresbericht zum Jubiläum heute: Es ist immer noch ein Glück, dass es die Fedas gibt.

Machen wir uns gemeinsam klar: Ohne die von uns mitgetragene Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel gäbe es heute keine Intersport national und international und keine Sport 2000. Es gäbe auch keine gemeinsame Messepolitik und damit auch keine Weltmesse des Sports vom Format der ispo. Es gäbe keine gemeinsamen Marketingaktionen zwischen Industrie und Handel im heutigen Ausmaß und es gäbe auf keinen Fall die Erfolge, die wir alle gemeinsam mit der Industrie bei der Produktentwicklung und bei unserem gemeinsamen Auftritt gegenüber dem Endverbraucher erreicht haben. Und so weiter.

Ich könnte hier noch eine ganze Menge mehr aufzählen, mit welchen Mitteln und Methoden wir in 50 Jahren gemeinsam mit unseren Industriepartnern in Europa ein Branchenimage geschaffen haben, das nicht nur Fachmedien begeistert. Wir haben es gemeinsam geschaffen. Das zeigt die Entwicklung der letzten 50 Jahre, auf die wir hier zurückschauen.

Und an diesem Erfolg ist der Gastgeber unseres Jubiläumsmeetings nicht ganz unschuldig. Seit der Gründung unseres Verbandes ist seine internationale Arbeit von den Erfahrungen und dem sensiblen Gespür Schweizer Sportartikelkaufleute geprägt, die sich in ihrem Verband Asmas zusammengeschlossen haben. Bis heute erhält unsere Fedas wichtige Impulse aus Bern. Wenn man dabei zurückblickt, muss man sich zunächst in Dankbarkeit vor den Kollegen verneigen, die die Gründung des Verbandes erst möglich gemacht haben: Raymond Och vom Schweizer Verband Asmas und einer der ältesten Sportfachhändler des Landes, und vor seinem Syndikus Walter Lanz aus Genf. Unser Dank gilt in dieser Tradition aber auch unserem Ehrenpräsidenten Adriano Testa, der bis heute aktiv an den Geschicken unserer Fedas mitwirkt und den wir in dieser Generalversammlung in den von ihm selbst gewählten Ruhestand verabschieden. Der Dank der Fedas gilt auch wie in jedem Jahr unserem Generalsekretär Claude Benoit für seine mittlerweile jahrzehntelange Geschäftsführung unseres Verbandes. Mit ihr hat er unser Ansehen in ganz Europa gemehrt und darüber hinaus auch dafür gesorgt, dass unser Warengruppenschlüssel als Fedas-Warengruppenschlüssel nach wie vor eines der wichtigen Assets ist, das wir als Verband haben.

Auch in den Jahren 2012 und 2013 hatten wir als Fedas wieder unseren großen Marktauftritt auf unserer einzigen Weltmesse des Sports, der ispo in München. Dort wartet man wie jedes Jahr auf die europäischen Marktzahlen und die Trends und Stimmungen im europäischen Fachhandel, die ich als Fedas-Präsident bei der traditionellen ispo-Pressekonferenz vorlegen kann. Mit diesem Bericht über die Situation in den 28 EU-Ländern, einem Sportmarkt mit bald 500 Millionen Verbrauchern, sind wir immer Ton angebend. Unsere Zahlen und Markteinschätzungen werden nicht nur von der nationalen und internationalen Wirtschaftspresse kommentiert, sondern sie dienen auch den großen europäischen Verbundgruppe unserer Branche Intersport International und Sport 2000 und ihren lokalen Mitgliedsorganisationen als Benchmark bei der Beurteilung ihrer eigenen lokalen Verkaufserfolge auf den verschiedenen Märkten.

Die Verlässlichkeit der europäischen Handelsaussage, gestützt auf die Fedas, war, ist und bleibt ein wichtiges Gegengewicht zur Dominanz der Industrieaussagen zur ispo, die ja aus vielen Gründen heraus andere Marktaspekte stärker gewichten. Diese Aussage kann auch in Zukunft weiter getroffen werden, egal, wie sich die Länder- und Organisationsstruktur der den Verbandsnamen Fedas tragenden Verbände in den kommenden Jahren weiter entwickelt.

Im Zuge des schnellen internationalen Daten- und Erfahrungsaustausches ist es einem etablierten Verband mit einem bekannten Markennamen auch in Zukunft immer möglich, verbindliche Aussagen zur Entwicklung des Sportartikelmarktes in Europa zu machen und sie mit dem neutralen Verbandsetikett Fedas öffentlich darzustellen. Damit fördern wir weiterhin die integrative Arbeit unserer wichtigen Mitgliedsorganisationen wie Intersport International und Sport 2000 International am europäischen Markt. Von unserer Verbandsplattform aus können wir uns ebenso neutral wie kritisch zum Für und Wider großer einheitlicher monopolartiger Handelsstrukturen vom Kaliber eines Decathlon äußern. Oder auch zum jüngsten Coup der Übernahme der österreichischen Eybl-Gruppe durch Sport Direct aus England oder zur geplanten Übernahme von Intersport Österreich durch Intersport Deutschland.

Wenn ich als Fachhändler und als Fedas-Präsident in meinem Jahresbericht zum 50-jährigen Bestehen des Verbandes noch einmal auf das Geschehen am europäischen Sportartikelmarkt blicke, muss ich feststellen, dass unsere Kunden von heute und morgen andere sein werden als sie bisher waren. Die Grenzen zwischen den einzelnen Einkaufstypen so wie wir sie aus der Vergangenheit kennen verwischen immer mehr. Schaute früher unser Kunde bevor er in unsere Läden kam auf unsere Websites im Internet, so nutzen heute viele Kunden unsere Geschäfte und ihr Angebot als bloßen Showroom, um dann erst hinterher im Internet ihre Entscheidung zu treffen. Natürlich nur dann, wenn es uns vorher nicht gelungen ist, den Kunden zu einem Kaufabschluss im Geschäft zu bringen.

Interessant dabei ist, dass beispielsweise drei Viertel aller Deutschen Kunden einer Versandlandschaft sind, die von Jahr zu Jahr unübersichtlicher und immer vielschichtiger wird. Nicht nur immer mehr Versender treten auf, auch die Informations- und Bestellmöglichkeiten werden immer vielfältiger. Das konnte ich auch diesmal wieder in den Fachgesprächen mit unseren amerikanischen Handelskollegen beim 49. NSGA-Managementmeeting im Mai 2013 in Palms Springs Gardens in Florida erleben und erfahren. Die Grenzen zwischen den einzelnen Versendertypen scheinen zu verwischen. Die Intersport-Gruppe hat ja bereits eine bemerkenswerte e-Commerce-Lösung in Deutschland vorgelegt und auch Sport 2000 arbeitet an eigenen Internetangebotslösungen, verbunden mit der Ausweisung von entsprechenden Factory Outlets, in denen sie dann die Waren verkaufen, die ihre Mitglieder am Ort in der Saison nicht verkaufen konnten. Der Kunde im Sportfachgeschäft von heute nutzt gleichzeitig via Smartphone und Cloud alle Kommunikationswege, die ihm offenstehen: Internet, Katalog, Smartphone, „Brick and Mortar“, Telefon, soziale Netze. Auch hier hat die Fedas die Aufgabe, diese Entwicklung ebenso innovativ wie kritisch zu begleiten. Genauso wie sie mit ihrer Verbandsarbeit auch im Jahr 2012/2013 die ispo begleitet hat und begleitet. Gemeinsam ist es uns wieder gelungen, sie auf der Spitzenposition einer Weltmesse am Markt wirkungsvoll zu unterstützen. Auch 2013 wurde wieder eine neue Bestmarke bei Ausstellern und Besuchern erreicht.

Auch im Jubiläumsjahr will ich mich aber, wie jedes Jahr vorher, in meinem Geschäftsbericht offiziell bei meinen Kollegen im Präsidium und vor allem bei Claude Benoit für seine ausgezeichnete Arbeit als unser europäischer Chefdiplomat bedanken. Er ist nach wie vor der aus reicher eigener Erfahrung in nationaler und internationalen Verbandsarbeit der Mann, der auch die zukünftige Entwicklung auf dem Arbeitsfeld Europäischer Sportfachhandel auf unserem Weg zum 100. Geburtstag unserer Fedas noch hoffentlich recht lange mit begleiten will und kann. Einer Zukunft, über die der große französische Schriftsteller Victor Hugo einmal gesagt hat: „Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare. Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte. Für die Tapferen ist sie die Chance.“


Bei der Fedas-Generalversammlung in Bern ein Rückblick auf 50 Jahre Verbandsgeschichte.

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