29.01.2013: Der europäische Sportfachhandl kommt wieder mit Optimismus zur ispo - Der Gesundheitstrend in Europa eröffnet dem Fachhandel neue Umsatzperspektiven - Der deutsche Sportfachhandel konnte 2012 seinen Umsatz um zwei Prozent auf 7,34 Milliarden Euro steigern

Wir haben es als deutsche Sportartikelfachhändler in einem schwierigen Jahr 2012 wieder geschafft. Unsere Umsätze sind im Jahr der Olympischen Spiele in London und der Fußballeuropameisterschaft nach vier Prozent Verlust im Jahr 2011 mit zwei Prozent wieder ins Plus gewechselt. Von 7,2 Milliarden Euro auf 7,34 Milliarden Euro. Damit hat der deutsche Sportfachhandel seine hervorragende Umsatzstellung gegenüber den Ergebnissen vieler Kollegenbranchen im deutschen Fachhandel wieder unterstrichen.

Das wirtschaftliche Umfeld, in dem wir den Umsatzzuwachs in Deutschland erreichten, war 2012 von zahlreichen wirtschaftlichen Verwerfungen im Land und in Europa geprägt. Bemerkenswert aber die positive Einkaufsstimmung bei unserer Bevölkerung, die wir als Fachhändler spürten und jetzt noch spüren. Trotz der großen Wetterkapriolen, die auch 2012 wieder in unsere gewohnten Umsatzzyklen eingegriffen haben.

Für meine Kolleginnen und Kollegen im Sportfachhandel Südeuropas kann ich hier leider keine so positive Umsatzbotschaft überbringen. Nach der vorläufigen Auswertung der Zahlen bei der Fedas zeigen sie eine Talfahrt an, die in einzelnen Bereichen teilweise dramatisch verläuft. Die Entwicklung entspringt der Tatsache, dass in den Ländern die Inlandsnachfrage schwach ist und noch weiter zurückgeht. Gründe dafür: die Staatsschulden, die hohe Jugendarbeitslosigkeit, rückläufige Industrieproduktion und die verschärften fiskalpolitischen Eingriffe in den Wirtschaftskreislauf. Das betrifft auch die Umsätze im Sportartikelmarkt. Nach ersten Berechnungen ging 2012 der europäische Umsatz, der 2011 bei 38,2 Milliarden Euro gelegen hat, um bis zu sechs Prozent zurück. Dabei haben zwei wichtige Großereignisse 2012 die generelle Abwärtsentwicklung der Umsätze in Südeuropa wenigstens etwas abgebremst: die Olympischen Spiele in London und die Fußballeuropameisterschaften in Polen und der Ukraine. So wuchsen der Sportartikelmarkt in Polen um 2,5 Prozent und der Markt in Russland um drei Prozent.

Unsere Erwartungen an weitere Wachstumsimpulse am europäischen Sportartikelmarkt 2013 sind weiter sehr gedämpft. In vielen Ländern Europas wird der Sportfachhandel weiter unter Sparmaßnahmen der Regierungen, geringen Lohnsteigerungen und niedrigen Konsumausgaben leiden.

Als europäische Sportfachhändler freuen wir uns aber am ständig steigenden Bewusstsein der Bevölkerung, für ihre körperliche Fitness selbst vorzusorgen zu müssen.

Die ispo Munich 2013 gibt das beste Beispiel. Sie lädt die Branche am Messedienstag zum zweiten Mal zu einem großen Health-Forum ein. Damit unterstützt sie in besonderer Weise die Marktstrategien des Sportfachhandels und der großen Verbundgruppen der Branche, der Intersport Deutschland und der Sport 2000. Sie setzen konsequent auf den Gesundheitstrend. Sie bauen ihn jetzt durch ihre öffentliche Kommunikation und durch vielfältige Aktionen am Markt verstärkt aus. Als Verband Deutscher Sportfachhandel vds und als Verband des Europäischen Sportfachhandels Fedas werden wir dadurch in unseren Bemühungen bestätigt, bereits im vergangenen Jahrzehnt alles dafür getan zu haben, Sportfachhändler als die geborenen Wellnessberater am Sportmarkt zu positionieren.

Hauptwachstumstreiber beim Umsatzwachstum des deutschen Sportfachhandels, der Europas größten Einzelmarkt repräsentiert, waren 2012: Outdoor, Wintersport, Running. Wir europäische Sportfachhändler hoffen zusätzlich zu Beginn unserer Weltmesse hier in München, dass die Ski-WM, die am 4. Februar in Schladming beginnt, dem Wintersportumsatz noch einen weiteren Wachstumsschub geben wird. Zumal sich das Winterwetter in Richtung Faschingsferien und Ostern wieder kalt und Umsatz verheißend präsentiert.

Outdoor ist als Ganzjahresangebot weiter der umsatzstärkste Bereich im Sportfachhandel. Er bestimmt 22 Prozent des Gesamtumsatzes im deutschen Sportartikelmarkt. 2012 ist er vom sehr hohen Niveau des Vorjahres aus um weitere fünf Prozent gestiegen.

Folgt man einer neuen Outdoor-Point-of-Sales-Studie, gestützt auf Daten von 600 Sportgeschäften, Kauf- und Warenhäuser eingeschlossen, haben Outdoor-Textilien mit 64 Prozent den Löwenanteil am Umsatz. Schuhe kommen auf 27 Prozent und Hartwaren auf neun Prozent. Vom 64-prozentigen Textilanteil entfallen mehr als die Hälfte auf Outdoor-Jacken, deren Umsatzplus mit vier Prozent aber leicht unterdurchschnittlich ausfiel. Bei Hartwaren wurden 2012 gegenüber 2011 mit plus acht Prozent und bei Textilien mit plus sechs Prozent deutlich mehr abgesetzt. Bei den Outdoor-Schuhen fiel das Wachstum mit zwei Prozent etwas geringer aus.

Einen kräftigen Wachstumsschub gab es 2012 beim Wintersport und bei der winterlichen Freizeitmode. Die guten Zahlen basieren hauptsächlich auf den wetterbedingt drei starken Umsatzmonaten von Januar bis März 2012.

Nach den Erfahrungen der vds-Mitglieder in den großen Verbundgruppen der Branche in Deutschland sind dabei im Wintersport die Highlights Rockerski und der Bereich Helme und Protektoren. Sie werden in immer besserer Qualität und Optik angeboten. Damit verbessert der Fachhandel die Sicherheit beim Skilauf weiter. Der Bereich Rent a Ski stellt vor allem in Europa, aber auch in ganz Deutschland eine bemerkenswerte Umsatzgröße im Fachhandel dar. Für alle Absatzbereiche im Wintersport wird es bei der ispo Munich wieder die geeigneten Neuheitenangebote geben. Ein sehr wichtiges Marketingtool des deutschen und europäischen Sportfachhandels sind die großen Events im Wintersportbereich. Er veranstaltet sie zusammen mit den unterschiedlichsten Partnern. Dabei setzen meine Handelskollegen auf die Weisheit von Konfuzius: „Sage es mir und ich vergesse es, zeige es mir und ich erinnere mich, lass es mich tun und ich behalte es.“

Running, Walking und Fitness sind für unseren Umsatz und für unsere Rendite in ganz Europa eine sichere Bank. Running und Fitness erzielen Spitzenwerte. Es wird von Jahr zu Jahr mehr gelaufen. Marktforscher verweisen darauf, dass Running vielleicht die einzige Sportart ist, die überall auf der Welt und in allen Kulturkreisen gleichermaßen und in jedem Alter ausgeübt werden kann.

Mit welchen gesellschaftlichen Entwicklungen müssen wir deutsche und europäische Fachhändler in den kommenden Jahren beim Festlegen unserer Marketingstrategien rechnen? Aus den 11 Megatrends, die der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx, der Europas einflussreichen Think Tank in der Zukunftsforschung leitet, in seinem Zukunftsinstitut veröffentlicht hat, will ich hier drei aufgreifen, die auch für uns Sportfachhändler eine große Rolle spielen.

Gesundheit.
Dazu das Zukunftsinstitut. Ich zitiere: „Gesundheit ist ein gutes Verkaufsargument und durchdringt längst alle Lebens- und Konsumbereiche; unter dem Stichwort ‚Corporate Health‘ auch die Arbeitswelt. Der Gesundheitsmarkt ist und bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Eckpfeiler der Wirtschaft.“ Ende des Zitats.

Gesundheit wird, wie schon mehrmals erwähnt, auch in Zukunft weiter die Angebote des deutschen und europäischen Sportfachhandels und der internationalen Sportartikelindustrie positiv beeinflussen.

„Silver Society“.
Dazu schreiben die Forscher. Ich zitiere: „Wir alle werden nicht nur älter, sondern altern auch anders und vor allem werden wir später alt. Zum Älterwerden gesellt sich das ‚Downaging‘, das Heraustreten aus traditionellen Altersrollen derer, die man einst als ‚Senioren‘ bezeichnete. Statt sich in den Ruhestand zu begeben, nehmen ältere Menschen ganz selbstverständlich in Form von Ehrenamt, Erwerbsleben oder einem Universitätsstudium am Gesellschaftsleben teil. Der Megatrend der gesellschaftlichen Alterung ist weltweit sichtbar, extrem langfristig und verändert alle Bereiche des Lebens auf der Erde.“ Zitat Ende.

Hier setzen wir als der internationale Sportfachhandel, als Fedas und vds, bereits seit einigen Jahren erfolgreich neue Zeichen am Markt, die sich auch 2013 in einem entsprechenden Themenangebot der ispo widerspiegeln.

„Female Shift“.
Der Megatrend beschreibt – ich zitiere wieder: „… einen grundsätzlichen Wandel in unserer männerdominierten Welt. Mit der Auflösung der traditionellen Geschlechterrollen finden im Berufs- und Privatleben von Männern und Frauen massive Umbrüche statt, die große Chancen mit sich bringen. Neue Männer und Frauen finden ihre Lebensbalance in beruflicher Verwirklichung und in Beziehungs- und Familienmodellen abseits der alten Vater-Mutter-Kind-Konstellation.“ Zitat Ende.

Auch auf diesen Gesellschaftswandel sind wir im Sportgeschäft von morgen bereits vorbereitet. Wir bieten in den nächsten Jahren verstärkt in unseren europäischen Sportfachgeschäften ein Angebot für die neue Frauen-Generation an, zu der sie nicht nein sagen kann.

Aus zahlreichen Marktstudien wissen wir, dass der heute vor allem durch die modernen Informationsmedien sehr gut informierte Verbraucher am Markt in unseren Geschäften, und wo immer er sie sonst findet, die richtigen Markenprodukte zum richtigen Preis und zum ganz persönlichen Nutzen sucht.

Diese Entwicklung können und wollen wir bei unseren zukünftigen Marketingüberlegungen nicht ignorieren.

Verbunden damit ist aber meiner Erfahrung nach aber auch die fortschreitende Schnäppchenjagd des Verbrauchers, die vor unseren Sportgeschäften nicht halt macht. Wir müssen die Verbraucher deshalb in Zukunft auch unter dem wachsenden Einfluss des E-Commerce in unserer Branche umso mehr „auf allen Absatzkanälen“ darauf hinweisen, dass ein gutes Sortiment, eine gute persönliche Beratung in einem ansprechenden Geschäftsambiente in guter Lauflage und ein ausgefeilter After-Sales-Service nicht vom ständigen Rabattgeben bezahlt werden kann.

Dabei müssen wir uns mehr denn je beim Bewerten eines Messeangebots und beim dann folgenden Einkauf von der bisherigen Formel verabschieden, dass mehr Warenabsatz und mehr Umsatz auch automatisch mehr Gewinn bedeuten.

All diese Fragen werden neben vielen anderen Problemen und Sorgen, die wir haben, auf der ispo Munich 2013 eine Rolle spielen. Wir werden deshalb als Fachhändler in der Zukunft weiter sehr darauf achten, mit welchen Marken und zu welchen Konditionen wir mit ihnen arbeiten.

Als europäischer und deutscher Sportfachhandel freuen wir uns darüber, dass die von uns mit geschaffene Weltmesse ispo wie jedes Jahr auch 2013 in ihrem Angebot unseren traditionellen Optimismus teilt. Auch unter den schwierigen ökonomischen Bedingungen, die die Entwicklung der EU weiter bestimmen werden. Die ispo ist und bleibt die weltweit größte und beste multimediale Informationsplattform für den internationalen Sportfachhandel und die internationale Sportartikelindustrie. Ihr Besuch ist ein Muss für jeden Sportartikelhändler der Welt.

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