24.01.2012: Schnee auf der Alpennordseite wie seit 25 Jahren nicht mehr – Leider nicht bei uns wie im November und Dezember 2010 – Wetter und Wirtschaft fuhren 2011 Achterbahn

Statement zur ispo Munich 2012 von VDS- und Fedas-Präsident Werner Haizmann

Dank zweier sportlicher Großereignisse schaut der deutsche und europäische Sportfachhandel optimistisch auf das Jahr 2012

November/Dezember 2010. Deutschland ist flächendeckend mit Schnee bedeckt. Die Geschäfte laufen fantastisch. Als im Januar 2011 das tolle Winterwetter kippte, begann für die meisten der europäischen Sportartikelfachhändler, besonders aber für die Kollegen im deutschsprachigen Raum, eine Achterbahnfahrt, die ohne Stopp bis zum Jahresende 2011 angehalten hat. Das Tempo bestimmten das Wetter in Europa und die Euro-Wirtschaftskrise.

Der durchweg warme Frühling wurde vom zweitwärmsten April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen dominiert. Der Sommer verlief enttäuschend wechselhaft mit einem unterdurchschnittlich kühlen Juli, erst der September brachte wieder ein Wärmeplus, der Spätherbst verlief ebenfalls warm und endete in einem sehr milden Dezember.

Mit dieser kleinen Wetterbeschreibung will ich nur kurz auf eine der wichtigsten Komponenten des Umsatzerfolges des europäischen und deutschen Sportfachhandels hinweisen: Das Wetter muss 12 Monate lang passen und dabei die jeweiligen Ferien- und Urlaubszeiten berücksichtigen. Deshalb leben wir Sportfachhändler seit Jahrzehnten in der Gewissheit, dass all unsere noch so guten Marketingkonzepte zur Umsatz- und Gewinnmehrung immer ein Aktionsfeld enthalten, dessen Einflussgröße wir weder voraussagen noch selbst bestimmen können: das Wetter. Es bildet aber zusammen mit dem Breiten- und Gesundheitssport eine starke, mitentscheidende Konstante bei Umsatz und Erfolg.

In den letzten Jahren von 2007 bis 2010 sorgte ein gutes Zusammenspiel zwischen Wetter, Ferien und Superangebot im Sportfachhandel dafür, dass die Umsätze unserer Branche europa- und deutschlandweit immer weiter steigen konnten. Damit koppelten sich die europäischen und deutschen Sportfachhändler über Jahre hinweg positiv nach oben hin von der allgemeinen Entwicklung im europäischen und deutschen Einzelhandel ab, dessen Umsätze im Mittel stagnierend beziehungsweise wirtschaftskrisenbedingt rückläufig waren.

Die Statistiken der Fedas, des Verbandes des europäischen Sportfachhandels, und des VDS, des Verbandes Deutscher Sportfachhandel, weisen beispielsweise bei den Einnahmen deutscher Sportfachhändler im Jahr 2010 mit 7,5 Milliarden Euro ein 3,5-prozentiges Einnahmeplus gegenüber den Einnahmen von 2009 in Höhe von 7,3 Milliarden Euro aus.

Jetzt müssen wird zum ersten Mal zu Beginn unserer weltgrößten Sportartikelfachmesse, der ispo Munich eine Umsatzdelle hinnehmen. Der Umsatz des deutschen Sportfachhandels ging um vier Prozent fast ausschließlich wetterbedingt zurück: von 7,5 Milliarden Euro auf 7,2 Milliarden Euro. Damit konnte er 2011, nachdem er jahrelang immer über den prozentualen Durchschnittsumsätzen des gesamten Einzelhandels lag, mit dem jetzt rund 2-prozentigen Wachstum des gesamten Einzelhandels nicht mithalten. Das umsatzbehindernde Wetter war auch europaweit zu spüren. In Europa ging der Umsatz von 39,75 Milliarden Euro im Jahr 2010 um drei Prozent auf 38,2 Milliarden Euro zurück.

Betrachten wir die Umsatzentwicklung in Deutschland im abgelaufenen Jahr 2011, so sieht die Statistik in etwa so aus: Gesamtumsatz minus vier Prozent.

Unterteilt in Segmente stagnierte der Outdoorumsatz auf seinem sehr hohen Niveau. Hier hatten wir 2008 ein Umsatzwachstum von 14 Prozent, 2009 eines um weitere 15 Prozent und 2010 eins von abermals 20 Prozent. Wir konnten dieses hohe Wachstum des Jahres 2010 umsatzmäßig 2011 über die Runden retten. Und das vor allem bei einem ersten Halbjahr 2011, dessen Wetter beim Umsatz in den Geschäften alles andere als outdoorfreundlich war.

Der Wintersportumsatz rauschte aber mit mehr als 25 Prozent ins Minus, gefolgt von einem weiteren 15-prozentigen Umsatzminus bei der Wintermode.

Im Bereich Teamsport und hier hauptsächlich beim Fußball gab es kein wetterbedingtes, sondern ein ereignisbedingtes Minus von gut zehn bis 12 Prozent.

Es fehlten beim Fußball die Männer-Massen-Events wie eine WM oder eine EM. Bei aller Begeisterung, die der Frauenfußball in den Medien und auch bei uns europäischen und besonders bei uns deutschen Sportfachhändlern ausgelöst hat, konnten sich die hohen Erwartungen, aus den Traumzahlen der WM 2010 in Südafrika geboren, in Euro und Cent nicht umsetzen lassen.

Die Frauen-WM 2011 in Deutschland und die Tatsache, dass durch die hohe Medienaufmerksamkeit unseres Lieblingsmannschafts-Themas Fußball wieder über die Geschlechter hinweg einen neuen Schub vor allem bei Jungen und Mädchen erhalten hat, lässt uns für 2012 auf ein Superfußballjahr bei Stimmung und bei Umsatz hoffen. Die EM in Polen und der Ukraine wird alle Fußballumsätze in ganz Europa entsprechend nach oben treiben.

Zusätzlich gibt es ein weiteres Großereignis im Jahr 2012: die Olympischen Spiele in London. Hier wirken sich die sportlichen Ereignisse aber nicht so umsatztreibend aus wie bei den großen Fußballwettbewerben.

Das Jahr 2012 mit seinen sportlichen Großwettbewerben wird wieder deutlich die Vorrangstellung des Service- und beratungsintensiven mittelständischen Sportfachhandels am Markt zeigen, besonders auf dem in Europa am stärksten umkämpften, dem deutschen. Mit seiner Sportschuhberatung setzt er wieder besondere Akzente und sorgt so dafür, dass der Sportschuhumsatz immer ein stabiler Faktor in der Erfolgsrechnung jedes Unternehmens ist und auch bleibt. Wir werden dieses Marktsegment weiterhin gegenüber unseren Partnern aus der Markenindustrie erfolgreich verteidigen. So ist es uns beispielweise gelungen, den Vertrieb von Sportschuhen durch die einschlägigen Sportverbände direkt an ihre Vereine und deren Mitglieder zunächst zu stoppen. Denn bei der überwältigenden Mehrheit der Markensportschuhanbieter herrscht die Einsicht vor, dass der Sportartikelfachhändler in seiner Beratungsfunktion vor allem in Deutschland noch immer nicht durch ein noch so gut gestaltetes Internetangebot aus eigenen Shops oder durch Verbandsshops ersetzt werden kann.

Lichtblicke bei den Umsätzen des europäischen Sportfachhandels sind die Zahlen, die wir bei Running und Walking im Wetterkrisenjahr 2011 erzielt haben. Hier stiegen allein in Deutschland die Umsatzzahlen 2011 um 10 Prozent, wobei der Zuwachs meist beim Verkauf von Runningschuhen liegt, was sicherlich auch 2012 so sein wird.

Im Jahr 2011 bleiben also die Bereiche Wintersport, Outdoor, Running, Fitness und Fußball/Teamsport nach wie vor die Umsatzmotoren in unseren Geschäften.

Uns zeigt das umfangreiche Neuheitenangebot auf der ispo Munich und besonders in den Bereichen, die sich mit Sport und Gesundheit beschäftigen, dass wir als europäischer Sporthändlerverband Fedas und als Verband Deutscher Sportfachhandel seit vielen Jahr schon mit unserer Definition des Sportfachhändlers als dem Gesundheits-, Wellness- und Fitnessberater vor Ort ins Schwarze getroffen haben. Damit haben wir bis jetzt richtig gelegen, das wird auch für die Zukunft gelten.

Einer der wichtigsten Gründe für die Markterfolge des Sportfachhandels ist die Tatsache, dass Jahr für Jahr das Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher wächst. Männer, Frauen und Kinder, ob alt oder jung, bei vielen gehört der regelmäßige Sport zum Tagesablauf. Diese Tatsache hat in den letzten Jahren sogar die EU-Kommission bewegt, ein entsprechendes Weißbuch zum Sport vorzulegen, verbunden mit Empfehlungen zum Gesundheitssport für Jung und Alt, um frühzeitig großen Gesundheitsschäden vorzubeugen.

Als europäischer Sportfachhandel, aber vor allem als deutscher Sportfachhandel versuchen wir deshalb seit einigen Jahren, das Thema Sport und Gesundheit verstärkt bei unseren Bemühungen um Kundinnen und Kunden ab 45 Jahren einzusetzen, die man in Europa beim Marketing unter die Begriffe Best Agers, Silver Citizens oder junge Alte stellt.

Nach Zahlen aus verschiedenen Veröffentlichungen gaben Kunden in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien zum Ende des Jahrzehnts mehr als 5 Milliarden Euro für Sportausrüstung und Sportschuhe aus, Kunden über 55 Jahre investierten in Sportausrüstung und -schuhe über alle Handelskanäle hinweg rund 3 Milliarden Euro. An der Spitze dabei der deutsche Markt mit 1,6 Milliarden, der französische mit 1,4 Milliarden und der italienische mit einer Milliarde Euro.

Es ist daher zu begrüßen, dass sich auch unsere internationale Weltmesse ispo Munich dieses Themas angenommen hat und entsprechende Angebote und Informationsforen über dieses Marktsegment bereit hält, das noch besser für den europäischen Sportfachhandel genutzt werden könnte als bisher.

Im Mittelpunkt des Interesses des europäischen Fachhandels auf der ispo Munich wird wieder das komplette Angebot der internationalen Wintersport- und Outdoorindustrie stehen. Bei der Hartware wird das Thema Rocker wie schon im vergangenen Jahr die Gespräche zwischen Industrie und Handel beherrschen. Hier haben die großen Verbundgruppen unserer Branche in enger Zusammenarbeit mit der internationalen Markenindustrie neue Programme entwickelt, die am Markt die stärkere Durchsetzung dieses neuen Skivergnügens weiter vorantreiben.

Wir freuen uns als mittelständischer deutscher Fachhandel mit einem nach wie vor 60-prozentigen Anteil am Gesamtmarkt bei unserer Sortimentsinformation auf der ispo, dass unsere Kunden unsere Beratungs- und Servicestärke verbunden mit einer dem jeweiligen Standort optimal angepassten Sortimentsgestaltung eindeutig mit Treue honorieren.

Für diese Leistung und für das Markenangebot, das sie trägt, war man im Jahr 2011 wieder bereit, wie in den Jahren davor, gutes Geld für gute Ware auszugeben. Daraus speist sich unser unerschütterlicher Optimismus, mit dem wir, wie schon eingangs erwähnt, von unserer Weltmesse ispo aus ins Geschäftsjahr 2012 starten. Er baut sich auch auf die Tatsache auf, dass unsere Kunden trotz der Konkurrenz von vielen Monomarkenstores unserer Industriepartner nach wie vor ihre Einkäufe lieber in unseren Multimarkenfachgeschäften erledigen. Denn in diesen Geschäften stellen ihnen umfassend geschulte Verkaufsberater ihre Ausrüstung aus einem vielfältigen Markenangebot wunsch- und passgenau zusammen.

Dass sie das können, dafür sorgt seit mehr als 20 Jahren der VDS-Super-Cup, der mit jährlich rund 1600 Teilnehmern der größte Wettbewerb seiner Art in Europa ist.

Wir werden als Fachhändler in Zukunft weiter sehr darauf achten, mit welchen Marken und zu welchen Konditionen wir arbeiten. Hier kommt es zweifellos zu einer weiteren Bereinigung und zu einer weiteren Konzentration der Marken am Markt.

In Folge der weltweit stark gestiegenen Rohstoffpreise wird es zusätzlich in den kommenden Jahren zu unabwendbaren Preiserhöhungen kommen. Über deren Höhe kann allerdings erst abschließend nach allen Orderrunden unserer Branche in zirka zwei Monaten eine gesicherte Auskunft gegeben werden. Bis dahin bleibt alles zu diesem Thema bloße Spekulation.

Über ein Thema müssen wir aber nicht spekulieren: Nach wie vor ist und bleibt die von unserem Verband mit geschaffene Weltmesse ispo Munich die weltweit größte und beste Informationsplattform für den internationalen Sportfachhandel und die internationale Sportartikelindustrie. Ein Muss für jeden Sportartikelhändler der Welt.

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