03.02.2010: Stabiles Wachstum im Sportfachhandel trotzt der allgemeinen Wirtschaftskrise - Zum dritten Mal in Folge stiegen die Umsätze im deutschen und europäischen Sportfachgeschäften signifikant an

Statement zur ispo Winter 2010 von VDS- und Fedas-Präsident Werner Haizmann

Der deutsche Sportfachhandel erzielte 2009 ein Umsatzplus von 3,5 Prozent von 7,1 auf 7,3 Milliarden Euro (2007 6,9 Milliarden Euro). Die Umsätze im Sportfachhandel Europas stiegen damit 2009 um 3 Prozent von 37,5 Milliarden Euro auf 38,6 Milliarden Euro (2007 37 Milliarden Euro).

Entgegen der Umsatzeinbr√ľche, die Kollegen aus anderen Einzelhandelsbranchen 2009 zu verzeichnen hatten, ist es den deutschen und europ√§ischen Sportfachh√§ndlern zum dritten Mal in Folge gelungen, sich erfolgreich vom allgemeinen Abw√§rtstrend bei den Einzelhandelsums√§tzen abzukoppeln. Entsprechend motiviert kommen alle Marktteilnehmer zur ispo Winter 2010. Zusammen mit unserer Weltmesse schauen wir dann gemeinsam auf 40 Jahre ihres Bestehens zur√ľck.

Die Messe macht das gemeinsam mit uns, dem VDS, weil wir in diesem Jahr als Verband auf unseren 100. Geburtstag stolz sein können.

Wir hoffen, dass die Messe und die Stimmung, die auf ihr wieder herrschen wird, von den guten Absatzzahlen der vergangenen Jahre ebenso profitieren kann wie von dem knackigen Winterwetter, das weite Strecken der noch anhaltenden Wintersaison Umsatz anregend bestimmt hat.

Wir alle mussten bereits Mitte Januar 2010 einsehen, dass wir als Fachh√§ndler trotz guter Bevorratung im Bereich Wintersport beispielsweise beim Verkauf von Wintersporthartware, also Ski Alpin, Langlauf, Schuhe, Bindung, Rodel, Helme, Protektoren deutlich an unser Limit gekommen waren. In vielen Gesch√§ften wurden die ‚ÄěGleitware‚Äú und das Zubeh√∂r knapp. Wir sind deshalb umso mehr wieder auf alle Neuheiten und Weiterentwicklungen in diesem Angebotsbereich unserer Weltmesse sehr gespannt. Haben wir als Sportfachhandel doch unseren Umsatz allein im Wintersport nach einer Steigerung von 10 Prozent im Jahr 2008 um weitere 20 Prozent im Jahr 2009 erh√∂ht.

Zu diesen Ums√§tzen tr√§gt auch ein ge√§ndertes Sicherheitsbewusstsein der Skifahrer bei, das sich nach den tragischen Geschehnissen auf einer √∂sterreichischen Skipiste zum Start des Jahres 2009 weiter stark verbessert hat. So stiegen beispielsweise die Verk√§ufe bei Skihelmen und Protektoren nach starken Abverk√§ufen 2008 2009 noch einmal um mehr als 30 Prozent. Hier zeigen auch die seit Jahren gemeinsam vom Deutschen Skiverband, dem VDS und den beiden gro√üen Marketingverbundgruppen unserer Branche, Intersport und Sport 2000, betriebenen Aufkl√§rungskampagnen ‚ÄěNiemals ohne Helm‚Äú die erw√ľnschte Wirkung. Zusammengefasst kann man sagen: Die Ums√§tze bei Helmen haben sich in den letzten Jahren fast verdoppelt.

Das best√§tigt uns beispielsweise auch die bayerische Familien- und Sozialministerin Christine Haderthauer. In einer Pressemeldung ihres Ministeriums zum Beginn des Jahres 2010 hei√üt es dazu. Ich zitiere: ‚ÄěIch freue mich sehr, dass mittlerweile bereits mehr als die H√§lfte aller Erwachsenen und √ľber 90 Prozent der unter 15-J√§hrigen einen Helm beim alpinen Skisport tragen. Die meisten Eltern sind sehr verantwortungsbewusst und haben erkannt, der Skihelm geh√∂rt genauso selbstverst√§ndlich zum Skifahren, Snowboarden oder Rodeln wie der Gurt zum Autofahren. Wer Hirn hat, der sch√ľtzt sein Hirn, wer Hirn hat, der sch√ľtzt sein Kind.‚Äú

Als Sportfachhändler, die wir auch die geborenen Gesundheits- und Wellnessberater unserer Kunden sind, können wir diese Ministerinnenworte nur kräftig mit einem Rotstift oder in Bayern mit einem Schwarzstift unterstreichen.

Sport im Allgemeinen, auch der Wintersport, liegt immer noch stark im Trend, wie uns die Marktforscher berichten. Sie sind mit uns der Ansicht, dass Sport auch in Zeiten der Rezession und knappen Budgets seinen Stellenwert f√ľr die pers√∂nliche Gesundheit behalten wird. Entsprechend sucht der Verbraucher die passende Ausr√ľstung im Fachgesch√§ft.

Die mehr als 2500 VDS-Mitglieder in Deutschland haben in den letzten Jahrzehnten mit vielf√§ltigen Aktionen, unterst√ľtzt von ihren jeweiligen Verbundgruppen, in der √Ėffentlichkeit alle Aktivit√§ten gef√∂rdert, die da lauteten ‚ÄěSport ist in, Sport ist gesund‚Äú oder ‚Äěohne Bewegung ist alles nichts‚Äú. Dabei spart jeder Euro f√ľr den Sport unserer Meinung nach zwei Euro im gebeutelten deutschen Sozialbudget.

Wenn wir vor unserer wichtigen Weltmesse ispo unsere Ums√§tze anschauen, stellen wir fest, dass wir nicht nur Waren verkaufen, sondern Gesundheit, Wohlbefinden, Sch√∂nheit - Werte, die gerade auch in schweren Zeiten bei den Menschen hoch im Kurs stehen. Als Fachhandel begr√ľ√üen wir deshalb die Bem√ľhungen unseres Messepartners ispo, der seit einigen Jahren bereits den f√ľr uns sehr interessanten Bereich der Best Agers mit einem entsprechenden Informationsangebot abdeckt. Wir alle wissen, dass noch niemals √§ltere Generationen so aktiv und sportbegeistert waren wie heute und auch in der Lage sind, Geld daf√ľr auszugeben.

Das Programm der ispo ist geradezu daf√ľr geschaffen, dem Wandel unserer Sportfachgesch√§fte hin zu f√ľhrenden Fitness- und Wellnessshops Rechnung zu tragen. Das hei√üt, wir alle bieten besonders beim Verkauf von Sportger√§ten bereits mehr als die herk√∂mmliche Produktberatung. Wir erg√§nzen sie vielerorts in Zusammenarbeit mit Fachkollegen aus dem Orthop√§die- und Brillenbereich zur umfassenden sportlichen Gesundheitsberatung aus einem Guss.

Aus unseren Erfahrungen, die wir auch seit mehr als 20 Jahren bei unserem VDS-Super-Cup, dem größten Verkäuferwettbewerb Europas, sammeln, wissen wir, dass sich seit einiger Zeit bereits der Sportartikelverkäufer oder die -verkäuferin sich hin zum modernen Sportcoach entwickelt.

In unserer Hall of Fame f√ľr die Sieger dieses Wettbewerbs auf unserem ispo-Stand k√∂nnen Sie die von uns ausgezeichneten Verkaufsmitarbeiter aus unterschiedlichsten Sportgesch√§ften in ganz Deutschland finden. Sie alle sorgen als moderner Sportcoach daf√ľr und werden das auch in Zukunft weiter tun, dass jeder Kunde alles Wissen rund um eine Sportart von seinem Sportcoach erfahren kann. Von der Trainingsberatung, Gesundheitsberatung, Info √ľber Sportst√§tten und Sportveranstaltungen, Trainingspartner, sch√∂ne Trainingsrouten bis hin zur richtigen Verwendung des Sportger√§ts.

Wichtig f√ľr unsere Arbeit am Markt, f√ľr die wir auf der ispo Winter 2010 im 40. Jahr ihres Bestehens wieder eine F√ľlle von Produktneuheiten und Marketinganregungen bekommen werden, ist, dass wir auch in Zukunft unsere Kinder weiter vom Sport begeistern k√∂nnen. Vom Kindergarten √ľber die Schule bis zum Abitur oder die Gesellenpr√ľfung m√ľssen wir mit unserer Lobbyarbeit m√∂glichst viel vom Virus Sport einimpfen, der dann eine lebenslange Begeisterung ausl√∂st, von der wir alle profitieren k√∂nnen.

Dass uns das bereits mehr denn je gelingt, zeigt der Blick in die detaillierte prozentuale Umsatzstatistik des Jahres 2009, aufgegliedert nach Erlebnisbereichen.

Wintersport +20 Prozent (2008 +10 Prozent)

Outdoor +15 Prozent (2008 +14 Prozent)

Bike/FunWheel +15 Prozent (2008 +5 Prozent)

Fitness, Workout +5 Prozent (2008 +3 Prozent)

Baden, Wassersport +5 Prozent (2008 +3 Prozent)

Running, Nordic Walking +3 Prozent (2008 +1 Prozent)

Racketsport +2 Prozent (2008 -7 Prozent)

Fanartikel, Fu√üball, Vereinssport -15 Prozent (2008 +9 Prozent ‚Äď Ursache: Fu√üball-Europameisterschaft in der Schweiz und √Ėsterreich plus Handball-WM in Deutschland)

Im Wintersport-Hartwarenbereich haben wir uns als Fachh√§ndler in der einen oder anderen Form darauf eingestellt, dass viele unserer Wintersportkunden ihre Skiausr√ľstung nicht mehr vor Ort kaufen, sondern sie an ihrem jeweiligen Urlaubsort ‚Äěmieten‚Äú. Rent a Ski wird daher wie jedes Jahr auch auf der ispo ein Thema sein.

Wir sehen allerdings hier mit Sorge, dass in diesem sehr service- und beratungsintensiven Bereich die Zahl der Kunden w√§chst, die sich im Sportfachgesch√§ft vor Ort ausf√ľhrlich √ľber Ski, Schuh, Bindung fachlich beraten lassen, sie aber dann nicht kaufen.

Dieses Beratungsproblem, das uns schon einige Jahre begleitet, ist bis heute noch nicht gel√∂st. Auf Dauer kann n√§mlich kein H√§ndler nur von fachgerechter Beratung und Service zum Nulltarif leben und sich seine so beratenen Kunden dann im Internet oder beim Discounter bedienen, beziehungsweise sich ihre Ausr√ľstung am Ferienort leihen. Es wundert uns nicht, dass deshalb bereits Kollegen ab und an, vor allem bei einer intensiven Laufschuhberatung, eine Beratungsgeb√ľhr verlangen, die dann beim Kauf angerechnet wird.

2010 wird f√ľr uns, wie auch die Jahre davor, wieder ein schwieriges Jahr mit wieder gro√üen Herausforderungen und Aufgaben, die zu l√∂sen sind. Darauf freuen wir uns schon wieder, denn schwierige Zeiten sorgen immer wieder f√ľr gute Ideen.

Wir wissen dabei, dass neue Vertriebsformen am Markt, zum Beispiel E-Commerce, weiter an Bedeutung gewinnen. Der Umgang mit diesem Medium wird immer mehr f√ľr unsere Kunden selbstverst√§ndlich. F√ľr uns hei√üt das: das neue Medium h√§lt f√ľr Sportartikelhandel und Markenindustrie neue Absatzm√∂glichkeiten bereit, aber jede M√∂glichkeit steigert auch das unternehmerische Risiko f√ľr jeden von uns.

Auch wir werden unseren Abwehrkampf gegen neue Gro√üfl√§chensysteme, die vor allem aus anderen L√§ndern der EU nach Deutschland exportiert werden, weiter fortsetzen. An einigen Standorten sind wir damit schon erfolgreich gewesen. Erfolgreich deswegen, weil wir zugleich in einen harten Wettbewerb eingestiegen sind und dabei auch die kommunale √Ėffentlichkeit erfolgreich dar√ľber aufgekl√§rt haben, dass diese Gro√üvertriebsformen auf Dauer, wenn √ľberhaupt, nur einige gering bezahlte Jobs bereithalten.

Marktuntersuchungen und die j√ľngsten Meldungen von der Aufgabe prominenter Monomarkenstores in gro√üen St√§dten best√§rken uns, dass das Wachstum der Monomarkengesch√§fte in den letzten Jahren st√§rker als bisher vom Markt gebremst wird.

Die Kunden von heute und morgen, auch das wird die ispo Winter 2010 beweisen, suchen wieder Markenvielfalt in deutlich als Multilabel profilierten mittelständischen Sportfachgeschäften.

Die sportlichen Gro√üveranstaltungen in diesem Jahr, wie die Olympischen Winterspiele in Vancouver und die Fu√üball-Weltmeisterschaft in S√ľdafrika, werden in der ersten H√§lfte des Jahres f√ľr deutlich verst√§rkte Wachstumsimpulse sorgen. Dabei wird dem Sportmarkt insgesamt zu Gute kommen, dass unsere Branche in den letzten Jahren offensichtlich weit weniger abh√§ngig von der allgemeinen konjunkturellen Lage ist als andere Branchen.

Allenfalls das Wetter, mit dem wir als Branche seit unserem Bestehen als manchmal erw√ľnschten oder manchmal auch unerw√ľnschten Partner leben m√ľssen, k√∂nnte uns einen Strich durch unsere positiven Erwartungen machen. Der Boom der ganzj√§hrigen Outdooraktivit√§ten ist nicht zu √ľbersehen und dokumentiert eindeutig wieder einen wachsenden Trend zum Sport in der Bev√∂lkerung.

In diesem Sinn werden wir wieder die Jubil√§ums-ispo Winter 2010, wie jedes Jahr, als unsere wichtigste und informativste internationale Gespr√§chsplattform nutzen. Wir wissen, dass wir hier wichtige Impulse f√ľr unseren Markt holen, der der h√§rteste Sportartikel- und Sportmodemarkt in Europa ist. Wir halten auf diesem Markt noch immer 60 Prozent Marktanteil.

Diesen Erfolg verdanken wir nicht nur seit 40 Jahren unserer Messe, sondern auch einer unserer Kollektiveigenschaften als H√§ndler. Der weltber√ľhmte englisch/irische Schriftsteller Oscar Wilde hat sie vor 100 Jahren, in der Zeit, in der unser Berufsverband in Berlin gegr√ľndet wurde, so formuliert: ‚ÄěDie Zukunft geh√∂rt denen, die die M√∂glichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden‚Äú.

Das Motto hat uns alle in den letzten 100 Jahren als Händler und als Berufsverband erfolgreich gemacht, es wird uns auch die nächsten 100 Jahre erfolgreich machen.

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