15.07.2009: „Greentailing“ ein Renner in den USA – In San Antonio gab es im Mai 2009 die Goldene ispo-Nadel für Mickey Newsome, Sue Wenderski und Paul Prince – MMG-Chef Manfred Wutzlhofer verabschiedete sich bei der NSGA von seinen langjährigen Freunden und Geschäfts

Die 45. Managementkonferenz des größten Sportartikelhändlerverbands der Welt, der NSGA, die im Mai 2009 im texanischen San Antonio mit einer Teilnahme von mehr als 450 Experten aus den USA und Kanada zu Ende ging, beschäftigte sich mit einem Thema, das im amerikanischen Einzelhandel Schlagzeilen macht: Greentailing.

Neil Z. Stern, einer der Seniorpartner der führenden amerikanischen Einzelhandelsberatungsfirma McMillan/Doolittle, hatten NSGA CEO Matt Carlsen und sein NSGA Senior Managementteam aus Chicago als einen der meistgesuchten Fachleute in diesem Bereich zum Key Note Speaker gemacht.

Seit vielen Jahren auf dieser größten Managementkonferenz der Branche vertreten: die Fedas, der vds und die Messe München International mit der weltgrößten Sportartikelfachmesse, der ispo. In diesem Jahr traditionsgemäß wieder dabei Fedas- und vds-Präsident Werner Haizmann aus Stuttgart-Bad Cannstatt und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe München, Manfred Wutzlhofer. Er führte gleichzeitig seinen Nachfolger und ispo-Chef Klaus Dittrich in die amerikanische Sportartikelbranche ein.

Neil Z. Stern näherte sich im Darwin-Jahr 2009, wie könnte es anders sein, seinem Aufsehen erregenden Thema mit einer Überlegung des Schöpfers der modernen Evolutionslehre. Darwin meinte: „Es sind nicht die Stärksten die überleben, auch nicht die Intelligentesten, es sind die Arten, die sich am besten auf einen Wandel einstellen.“

Die Sportartikelhändler in den USA und weltweit, so Stern, müssen sich darauf einstellen, dass der Wettbewerb zwischen Großen und Kleinen auf keinen Fall über den Preis, über Marken, über Sortiment, über Logistik und über Handlingkosten laufen kann. Die Großen sind hier unschlagbar. Aber nicht unverwundbar: über mehr Kundenberatung und Kundendienst, über eine genaue Kenntnis der Wünsche und der Träume der Kunden im jeweiligen Einzugbereichs des Geschäfts, über eine genaue Kenntnis der angebotenen Produkte und über den Spaß, den ein Geschäft beim Einkaufen bietet, kann man hier im Wettbewerb punkten.

Das wachsende Umweltbewusstsein, nicht nur in den USA, schlägt sich in den Angeboten der Sportartikelfirmen genauso nieder wie in den Sortimenten, nach denen die amerikanischen Sportfachhändler zunehmend gefragt werden. Umweltbewusste Verbraucher fordern Produkte, die unter den Prinzipien der Nachhaltigkeit hergestellt werden und die dem neuen „grünen Wellness-Empfinden“ einer neuen jungen Verbrauchergeneration entsprechen. Der demografische Wandel in den USA und Europa fordert in Zukunft neue Shopkonzepte und -größen, er fordert auch mehr Experimente im Angebot und ist für neue Wege, den Verbraucher anzusprechen, offen. Das erklärt Jahr für Jahr den steigenden Erfolg der sportlichen Angebote im Internet.

Zum wachsenden Greentailing zählt die Forderung an den Fachhandel, viel mehr Wellness- und Ökoberatung zu verkaufen als Produkte. Vor allem deshalb, weil der billigste Preis für die Verbraucher von heute und morgen nicht mehr das einzig entscheidende Auswahlkriterium ist.

Der Handel von heute und morgen ist im Bereich des Greentailing dazu aufgerufen, sein Angebot multimedial und über die unterschiedlichsten Communities, sei es im Netz, sei es in der eigenen gemeindlichen Umgebung, anzubieten und verkaufen. Dabei muss er noch grüne Themen von der energetischen Ladengestaltung bis zur „grünen Verpackung“ pflegen und auszubauen. Ein Satz von Stern in San Antonio. “Retailers are shifting from selling products to servicing lifestyles.“

In seinem Bemühen um die zunehmend grüner werdende Kundschaft von heute und morgen erwachsen dem Fachhandel in den eigenen Global Players auf der Lieferantenseite heftige Wettbewerber. Eines ist sicher: Es überleben nur starke Marken, gehören sie Herstellern, gehören sie Einzelhändlern oder werden sie von beiden kontrolliert.

Allerdings haben in den letzten Jahren sehr viele Premiumhersteller erkannt, dass auch sie in der internationalen Retail-Arena präsent sein müssen. Das ist eine Auswirkung des Outlet-Retailings, das seit Jahren bereits auf eine Markendehnung am Markt setzt. Immer mehr gehen Luxusgüterhersteller auch im Grünen Wettbewerb dazu über, ihre eigenen Einzelhandelsgeschäfte aufzubauen, zu bewerben und auch zu kontrollieren.

„Für den durchschnittlichen Einzelhändler“, so argumentierte Neil Z. Stern vor der NSGA in San Antonio, „ist der starke Drang der Hersteller, ihre Marken im direkten Kontakt mit den Verbrauchern in eigenen Geschäften zu pushen, relativ neu, aber er ist keinesfalls nur mehr im Bereich der Luxusmarken angesiedelt. Alle Marken wollen über ihre eigenen Handelskanäle ihre Stammkunden erreichen.“

Stern weiter life: “We see more brands entering the world of retailers and more and more retailers acting like brands. Successful brands, we call them Super Brands, have the operating abilities of a retailer and the product development skills of a brand.”

Stern gab aber in San Antonio einige Ratschläge, wie man auf diese Entwicklung reagieren könne. Unter anderem sich bewusst zu sein, dass eine Marke kein Geschäft ist. Geschäfte bieten den Kunden Lösungen für ihre Probleme an, Marken verkaufen typischerweise allein ihre Produkte. Viele erfolgreiche Marken machen noch keine guten Geschäfte aus. Sie sind allerdings gute Bestandteile in typischen Einzelhandelsgeschäften, die ein ganzes Sortiment anbieten.

Auch nach Stern: “Retail is detail, and it’s hard.“ Einzelhandelsgeschäfte zu betreiben erfordere eine Vielzahl von Aktionen und Instrumente, die beim Hersteller dafür normalerweise nicht vorhanden sind oder auch sein können. Auch wenn sich beispielsweise „Grüner Einzelhandel“ für manche Marken aus ihrer eigenen Perspektive ganz leicht aussieht. Er ist es aber nicht.

Bei der NSGA-Managementkonferenz wurden neben diesem Schlüsselthema noch eine ganze Anzahl von Problemen erörtert, die hauptsächlich der US-Einzelhandel am amerikanischen Markt hat.

Gegenseitige Ehrungen rundeten den Besuch der deutschen Delegation ab.

Der neue Präsident der NSGA, Matt Carlson, hatte in Fortführung einer jahrzehntelangen guten Zusammenarbeit zwischen der Messe München, der ispo und dem Verband Deutscher Sportfachhandel die deutschen Gäste der Konferenz zu einem Abendempfang eingeladen. Ihn nutzte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Messe München International, Manfred Wutzlhofer, um sich von seinen langjährigen amerikanischen Freunden und Geschäftspartnern zu verabschieden und seinen Nachfolger als ispo-Chef, Klaus Dittrich, vorzustellen. (Mittlerweile folgt Klaus Dittrich Manfred Wutzlhofer auch als Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München nach. Anm.d.Red.). Bei dieser Gelegenheit bedankte sich der Münchner Messechef zuallererst bei seinem langjährigen Freund und jetzigen NSGA-Präsidenten im Ruhestand, Jim Faltinek, für die hervorragende Zusammenarbeit und beim neuen Präsidenten Matt Carlson für seine Bemühungen, diese gute Partnerschaft weiter fortzuführen.

Für die langjährigen Vizepräsidenten der NSGA, Sue Wenderski und Paul Prince, gab es das Goldene Ehrenzeichen der ispo, ebenso für eine der amerikanischen Sportartikeleinzelhandelslegenden und jahrzehntelangen ispo-Freund, den Chef der 500 Geschäfte starken Hibbett Sport Gruppe, Mickey Newsome.

Die Goldene Ehrung und die Auszeichnung ging auch an den Nestor der internationalen Sportartikelfachjournalisten, Bob Carr (67), der die ispo über Jahrzehnte aktiv mit begleitete und jetzt noch im Hall of Fame Committee der NSGA aktiv ist. Er konnte diese Ehrung aus Krankheitsgründen leider nicht selbst entgegennehmen.

Die NSGA zeichnete ihrerseits Manfred Wutzlhofer und vds- und Fedas-Präsident Werner Haizmann für ihre langjährige Treue und Verbundenheit mit dem amerikanischen Sportfachhandel, seiner früheren World Sports Expo und der noch heute in Topform befindlichen Managementkonferenz aus. Zur kommenden ispo 2010, die dann auf 40 Jahre Bestehen als die erfolgreichste Messe der internationalen Sportartikelbranche zurückblicken kann, wird unter Führung von Matt Carlson und Mickey Newsome wieder eine starke Gruppe amerikanischer Sportartikelhändler nach München kommen.


NSGA-Präsident und CEO bei der Begrüßung der Konferenzteilnehmer.


Manfred Wutzlhofer (re) und Klaus Dittrich (li) zeichneten Paul Prince, Mickey Newsome und Sue Wenderski mit der Goldenen ispo-Ehrennadel aus.

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