27.01.2009: Sport wieder Megatrend - Deutscher Sportfachhandel erzielt im Jahr 2008 ein Umsatzplus von drei Prozent oder von 6,9 Mrd. auf 7,1 Mrd. Euro

Europas Fachhandel insgesamt liegt mit einem Wachstum von 37 Mrd. auf 37,5 Mrd. Euro nur 1,5 Prozent dahinter

Kunde kauft im Sportfachgeschäft vor allem Gesundheit

Statement zur ispo 2009 von vds- und Fedas-Präsident Werner Haizmann

Wäre der neue amerikanische Präsident Barack Obama nicht Jurist, sondern Sportartikelfachhändler, könnte ich hier als Präsident des europäischen Sportartikelhandelsverbandes Fedas und als Präsident des Verbandes Deutscher Sportfachhandel vds mit Stolz sagen: Er hat unser langjähriges Verbandsmotto „Yes we can“ zum Wahlspruch seiner Präsidentschaft gemacht. Damit ist es auf einen Schlag weltbekannt geworden.

Entgegen vieler Erfahrungen unserer Branchenkollegen aus anderen Bereichen, beispielsweise der Textilien, schließen wir als europäischer und deutscher Sportfachhandel das Geschäftsjahr 2008 mit einem bemerkenswerten Plus von drei Prozent Umsatzsteigerung ab. Der Umsatz in Europa lag 2008 bei rund 37,5 Milliarden Euro (2007 37 Milliarden), der Umsatz in Deutschland bei 7,1 Milliarden (2007 6,9 Milliarden). Zum Vergleich: Der Umsatz im extremen Wintersportland Österreich lag 2008 bei 2,3 Milliarden Euro. Die großen Verbundgruppen unserer Branche in Deutschland, Intersport und Sport 2000, melden für ihre Mitglieder Umsatzzuwächse, die beispielsweise bei der Intersport Deutschland den Branchendurchschnitt sogar deutlich übertreffen.

Die Zahlen zeigen uns, dass wir es auch im Jahr 2008 wieder geschafft haben, uns als deutscher Sportfachhandel im europäischen Haus vom weiter andauernden Umsatzrückgang im gesamten deutschen Einzelhandel ein kleines Stück weit abzukoppeln. Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung ist die Tatsache, dass das Jahr 2008 mit einem guten Winterwetter und entsprechenden Umsatz begonnen hat und dass wir in Deutschland und in den Alpenländern zum Jahreswechsel 2008/2009 von einer Wintersaison mit Schnee und Kälte geradezu „verwöhnt“ worden sind (und noch werden).

Zusammen mit unseren europäischen Kollegen spüren wir zu Beginn unserer wichtigsten internationalen Messeveranstaltung, der ispo in München, dass Sport in ganz Europa wieder ein Megatrend ist. Das gilt für den lange in der öffentlichen Meinung schwächelnden Wintersport genauso wie für den Boom der ganzjährigen Outdooraktivitäten und für alle Bereiche des Teamsports, an der Spitze Fußball und Handball. Der Bereich Walking und Running erbringt immer noch steigende Umsätze. Hier ist allerdings schon auf einem sehr hohen Niveau die Marktsättigung nahezu erreicht.

Wie in jedem Jahr ist die Situation im europäischen und deutschen Sportfachhandel weiter durch unvorhersagbare und unvorhersehbare Wettersituationen bestimmt, durch immer kürzere Produktlebenszyklen, durch ein sich immer rascher änderndes Verbraucherverhalten und durch ständigen Kosten- und Preisdruck. Im weiteren Verlauf des Jahres 2009, voraussichtlich beim Start in die Sommersaison, werden sicher auch im deutschen und europäischen Sportfachhandel Auswirkungen der krisenhaften Entwicklungen auf den Finanz- und Arbeitsmärkten spürbar werden. Wir alle aber hoffen, dass sie für uns als Fachhandel beherrschbar bleiben werden.

In der Wintersaison 2008/2009, die traditionsgemäß in den Skigebieten Europas erst nach Ostern zu Ende geht, blicken wir bis jetzt auf ein weitgehend für die Jahreszeit normales Winterwetter zurück. Es gab und gibt viele Sportmöglichkeiten in den Alpen bis hinunter in die Mittelgebirge. Entsprechend frequentiert waren daher auch die Skipisten.

Schade nur, dass es erst eines spektakulären Skiunfalls eines deutschen Ministerpräsidenten auf einer steirischen Skipiste bedurfte, um alle Wintersportler wieder auf die Tatsache hinzuweisen, dass Sicherheitsskilauf mit Helm und Protektoren ein absolutes Gebot der Stunde ist. Obwohl wir es als Verband nicht ganz genau wissen, sind wir davon überzeugt, dass der thüringische Ministerpräsident, der sich in der Öffentlichkeit als extrem sicherheitsbewusster Skifahrer zeigte, den Helm, der ihm höchstwahrscheinlich das Leben rettete, nach ausführlicher Beratung in einem deutschen Sportfachgeschäft gekauft hat.

Warum wir da so sicher sind? Zusammen mit dem Deutschen Skiverband und mit der entsprechenden Versicherung des Verbandes weisen wir als im vds organisierter deutscher Sportfachhandel und mit den Kolleginnen und Kollegen der großen Verbundgruppen, wie Intersport oder Sport 2000, seit Jahren schon mit entsprechenden groß angelegten Aktionen darauf hin, Skifahren sicher nur mit Helm und entsprechenden Protektoren zu betreiben. Gleichzeitig haben wir zusammen mit dem DSV auch seit Jahren ein umfassendes Versicherungsprogramm rund um das Wintersportvergnügen entwickelt, das in seiner Ausgestaltung ebenfalls den Sicherheitsaspekt beim Skilauf und die Produktberatung durch den deutschen Sportfachhandel angemessen berücksichtigt.

Unsere Wintersportartikelindustrie, die hier in München auf der Weltmesse ispo immer ihre Neuheiten präsentiert, hat uns dabei sehr geholfen. Seit der erfolgreichen Einführung der Carving-Technik und des Carving-Skis hat die Industrie von ispo zu ispo Neuentwicklungen bei Helmen und Protektoren vorgestellt. Die Arbeit zeitigt jetzt ihre Früchte und rettet Leben. Anders wäre auch der plötzliche Run vieler Verbraucher auf den lebensrettenden Skihelm nach der öffentlichen Diskussion des aufsehenerregenden Skiunfalls des Thüringischen Ministerpräsidenten nicht zu erklären. Er führte sogar dazu, dass manche unserer Mitgliedsgeschäfte auch bei guter Bevorratung nicht alle Kaufwünsche sofort befriedigen konnten.

Als Verband sind wir sehr stolz darauf, dass es der Überzeugungsarbeit unserer Mitglieder vor Ort in den letzten Jahren gelungen ist, besonders unsere Kinder beim Skifahren zu schützen. 90 Prozent gehen nicht mehr ohne Helm auf die Piste.

Gerade im Bereich des Skizubehörs kann der deutsche und europäische Sportfachhandel seine intensive Beratungs- und Servicekompetenz, die er schon beim Skiangebot hat, wieder voll zur Geltung bringen.

Wir hoffen, dass diese Beratungsfunktion des Handels nach den Ereignissen dieses Winters noch stärker von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird und dass in Folge auch die entsprechenden Umsätze die Mühe dieser Beratung belohnen.

Die neusten Entwicklungen in diesem Bereich werden auch wieder beim Messegespräch auf der ispo 2009 eine herausragende Rolle einnehmen.

Dies alles spielt sich vor dem für den Fachhandel sicher auch beklagenswerten Trend ab, die Skiausrüstungen nicht mehr im Fachhandel zu kaufen, sondern sie zu leihen. Diese Entwicklung zu immer mehr „Verleih“ und weniger „Kauf“ bestimmt auch in einigen Bereichen das Angebot der ispo. Aus diesem Grund haben viele unserer Kollegen auch ein entsprechendes Verleihprogramm in ihrem Angebot.

Sehr kontrovers wird nach wie vor dabei die Frage diskutiert, wie teuer denn eine ausführliche Ski- und Schuhberatung im Sportfachhandel sein muss, die bei einem Nichtkauf in Rechnung gestellt werden könnte und vielleicht auch sollte. Auf Dauer kann nämlich kein Händler nur von fachgerechter Beratung und Service leben, während sich die so beratenen Kunden im Internet oder beim Discounter bedienen, beziehungsweise sich die Ausrüstung am Ferienort leihen.

Sport im Allgemeinen und hier auch der Wintersport liegen deshalb wieder stark im Trend, wie uns Marktforscher berichten, weil Sport auch in den Zeiten der Rezession und der knappen Verbraucherbudgets seinen Stellenwert für die persönliche Gesundheit behalten wird. Außerdem sei die Zeit der langen Strandurlaube im südlichen Winter vorbei. Der moderne Verbraucher nimmt sich immer mehr Kurzurlaube. Die verbringt er in Winter- und Sommersportgegenden seines Heimatlandes oder das näheren Auslandes. Entsprechend sucht er die für diese Zwecke passende Ausrüstung im Fachgeschäft.

In der letzten Zeit haben wir als Sportfachhändler dabei festgestellt, dass unsere Kunden bei schmaler werdendem Geldbeutel eher auf die Anschaffung eines neuen Autos verzichten beziehungsweise sie um weitere Jahre hinausschieben als beim Einsatz des Sports für ihre Gesundheit und wenn man so will auch für ihre Schönheit mit jedem Cent und Euro zu geizen.

Ein Trend zeigt sich jetzt, nach langer Atempause, wieder in Europa. Ganzjahressport ist stark angesagt. Man erwartet und findet daher auch ein entsprechendes Angebot im guten Sportfachhandel. Sein Angebot stellt er natürlich nach wie vor hier bei der ispo in München zusammen.

Betrachten wir zum Schluss noch die Umsatzentwicklung 2008 im deutschen Sportfachhandel noch etwas detaillierter. 2008 hatte wieder eine Menge positiver Ereignisse im Gepäck. Zunächst war der Winter von Januar bis Ostern deutlich besser als im Jahr zuvor und sorgte so für einen guten Umsatzstart. Das zweite Quartal stand im Zeichen der Euro 2008. Die deutsche Vizeeuropameisterschaft kann sich sehen lassen. Für viele Teamsportanbieter unter unseren Kollegen im Handel klingelt dazu entsprechend auch die Kasse. So tat uns allen die Fußball-EM in Österreich und in der Schweiz genauso gut wie die Fußball-WM 2006 im eigenen Land.

Die Olympischen Spiele im August in Beijing waren zwar keine direkten Umsatzbringer. Aber die weltweite Medienaufmerksamkeit, die auf den sportlichen Wettkampf gerichtet war, sorgte weltweit und nachhaltig bei vielen Menschen wieder für mehr Lust auf Sport.

Nach wie vor ungebremst ist der langjährige Outdoorboom, der dem Sportfachhandel im vierten Umsatzquartal wieder zu einem schönen Umsatzplus verholfen hat.

Betrachtet man die Ergebnisbereiche im Einzelnen, liegen 2008 die Umsatzzunahmen bei Outdoor, Wandern, Trekking bei rund 11 Prozent, bei Fußball und Vereinssport bei rund 9, beim Wintersport bei rund 8, bei Freizeitmode Sommer bei 5 und bei Bike und Fun Wheel ebenfalls bei rund 5 Prozent.

Bade und Wassersport punktet mit 3 Prozent und Fitness-Workout, Freizeitmode Winter, Running und Walking mit je einem Prozent Umsatzzuwachs. Racketsport verlor weiter - um rund 7 Prozent.

Schaut man auf das laufende Jahr, so weiß man sicher, dass in allen deutschen Sportfachgeschäften immer mehr die Erfolgsfaktoren Sortiment, Service und Preis/Leistung über Sein oder Nichtsein entscheiden. Mittelmaß ist mega-out.

Dem deutschen Sportfachhandel helfen auch in Zukunft die Nachhaltigkeit der Marken, die er anbietet, und die langjährige Glaubwürdigkeit als führender Sportartikelanbieter in Deutschland.

Wenn wir es alle, die wir hier mit ungebrochenem Optimismus die ispo Winter 2009 besuchen, in Zukunft noch besser schaffen, die riesigen Potentiale an Gesundheits- und Fitnessbedürfnis der heutigen Generationen unter dem Motto „Wir verkaufen Gesundheit“ mit starken Sportangeboten weiter zu erschließen, werden wir uns alle auch 2009 trotz weiterer schwieriger Rahmenbedingungen in der Wirtschaftspolitik und am Markt sehr gut weiterentwickeln. „Yes we can“.

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